Leben im Studierendenwohnheim – was klappt besonders gut, was geht noch besser?

Leben im Studierendenwohnheim – was klappt besonders gut, was geht noch besser?

Von Rongjin Sun & Li Fanshu

Über tausende Kilometer hinweg sind wir nach Deutschland gekommen, und das Leben in diesem fremden Land weckt unsere Neugier. Besonders gespannt waren wir von Anfang an auf das Wohnheim, das schnell zu einem wesentlichen Bestandteil unseres Alltags wurde. Als frisch eingetroffene internationale Studierende ist es nicht nur unser Aufenthaltsort, sondern auch unser „Zuhause“ in der Ferne – ein Ort voller Herausforderungen und Chancen, an dem wir im Alltag kontinuierlich wachsen.

Am Tag unserer Ankunft in Deutschland war das Wetter überraschend schön – blauer Himmel und weiße Wolken, ganz anders als das oft beschriebene graue, trübe Klima. Als wir die Tür zu unserem Wohnheimzimmer öffneten, verliebten wir uns sofort in diesen sauberen und gemütlichen kleinen Raum. Unser Zimmer hat ein großes Fenster, durch das wir wunderschöne Platanen sehen können. Da wir mit unseren guten Freundinnen zusammenwohnen, fiel es uns leicht, uns an das Wohnheimleben zu gewöhnen und unser Zimmer nach unseren Wünschen zu gestalten, sodass wir uns dort wohlfühlen.

Obwohl wir täglich zur Universität gehen, verbringen wir einen großen Teil unserer Zeit in unseren kleinen, aber gemütlichen Wohnheimzimmern. Das Leben hier im deutschen Studierendenwohnheim ist ganz anders als in China, und einige Dinge laufen wirklich gut, während andere verbesserungswürdig sind. Heute möchten wir unsere Erlebnisse teilen – was uns besonders gut gefällt und was vielleicht noch besser sein könnte.

Was klappt besonders gut?

Günstig, praktisch und stressfrei: Alles scheint perfekt

Ein großer Vorteil des Wohnheimlebens ist der Preis. Im Vergleich zu privaten Wohnungen sind die Mietkosten deutlich niedriger. Zusätzlich sind oft Nebenkosten wie Wasser, Strom, Heizung und Internet schon in der Miete enthalten. Das macht die monatlichen Ausgaben vorhersehbarer und erleichtert das Budget.

Zum Beispiel zahle ich für mein Zimmer im Wohnheim etwa 330 Euro pro Monat, wobei bereits alle Nebenkosten enthalten sind. Im Gespräch mit anderen Studierenden habe ich jedoch erfahren, dass diejenigen, die kein Wohnheimzimmer bekommen haben, oft in Privatwohnungen leben müssen. Diese sind in der Regel mindestens 200 Euro teurer. Für mich ist das eine erhebliche finanzielle Einsparung, während die höhere Miete für viele Studierende eine echte finanzielle Belastung darstellt.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Wohnheime direkt von der Universität bereitgestellt werden. Dadurch entfällt die oft zeitaufwendige und anstrengende Wohnungssuche, die besonders für internationale Studierende oft eine Herausforderung darstellt. Zudem sind die Wohnheime in der Regel in sicheren Gegenden gelegen, was ein beruhigendes Gefühl gibt.

Außerdem ist die geografische Lage des Wohnheims sehr praktisch , was den Alltag besonders bequem macht. Es gibt eine U-Bahn-Station, die in nur zwei Minuten zu Fuß erreichbar ist. Das macht es sehr bequem, zur Uni oder an andere Orte zu gehen. Besonders praktisch ist auch die Umgebung: In der Nähe des Wohnheims gibt es mehrere Restaurants  – eine Pizzeria, gegenüber ein Dönerladen, direkt gegenüber liegt eine Bank, und nicht weit entfernt befindet sich ein Aldi, wo man schnell und unkompliziert das Nötigste einkaufen kann.

Unabhängigkeit und Privatsphäre: Mein kleines Reich

In deutschen Wohnheimen hat man meist ein eigenes Zimmer, was mehr Privatsphäre und Unabhängigkeit bietet. Studierende können selbst entscheiden, wann sie schlafen, lernen oder ihre Freizeit genießen, ohne Rücksicht auf Mitbewohner nehmen zu müssen. Ein eigenes Zimmer sorgt für besseren Schlaf, persönlichen Freiraum und mehr Selbstbestimmung im Alltag, was die Lebensqualität deutlich verbessert und den Stress des Studienalltags verringert.

In China hingegen teilen sich oft mehrere Personen ein Zimmer mit Hochbetten, da der Wohnraum begrenzt ist.

Diese Wohnsituation beeinträchtigt nicht nur die Privatsphäre, sondern führt auch zu Konflikten, da unterschiedliche Lebensgewohnheiten aufeinandertreffen können. Ich habe selbst erlebt, dass eine meiner Mitbewohnerinnen unzufrieden war, weil die festgelegten Zeiten für das Lichtausschalten oder die allgemeine Ruhe nicht immer eingehalten wurden. Sie fand, dass die meisten zu spät schlafen gingen, was ihren Schlaf und ihre Lernzeit beeinträchtigte. Am besten ist es, wenn man so viel wie möglich alleine lebt.

Besonders für erwachsene Studierende ist Privatsphäre von großer Bedeutung, da sie zur psychischen Gesundheit beiträgt. Mit zunehmendem Alter legen Menschen mehr Wert auf den Schutz ihrer Privatsphäre und die Zeit, die sie alleine verbringen.Zudem ist der akademische Druck an der Universität oft sehr hoch. Ein eigenes Zimmer bedeutet bessere Wohnbedingungen, was die Lebensqualität verbessert. Es trägt außerdem effektiv dazu bei, den Stress des Studienalltags zu verringern und die körperliche sowie geistige Gesundheit der Studierenden zu stärken.Leider sind solche Bedingungen in China aufgrund der objektiven Wohnraumbeschränkungen kaum umsetzbar.

Möglichkeit zum Kochen: separate Küche

Am meisten schätze ich die eigene Küche. Obwohl die Ausstattung des Wohnheims relativ einfach ist, gibt mir die eigene Küche ein starkes Gefühl von Zuhause. In diesem kleinen Raum kann ich mich kulinarisch austoben und mit vertrauten Zutaten Gerichte aus meiner Heimat kochen. Das Klirren von Töpfen und Pfannen, das Brutzeln der Zutaten in der Pfanne und der köstliche Duft, der sich im Raum verbreitet – alles lässt mich gedanklich tausende Kilometer in meine Heimat zurückreisen und spendet mir Trost und Geborgenheit.

Besonders für chinesische Studierende ist es ein großes Glück, selbst chinesisches Essen zubereiten zu können. In der Fremde vertraute Gerichte zu genießen, stillt nicht nur den Appetit, sondern lindert auch das Heimweh. Jedes Mal, wenn ich in der Küche beschäftigt bin und ein fertiges Gericht auf den Teller bringe, erfüllt mich ein Gefühl von Zufriedenheit und Glück.

Freundliche Nachbarschaft

Das Wohnheim ist auch eine Brücke der kulturellen Begegnung. Hier wohnen Studierende aus aller Welt mit verschiedenen kulturellen Hintergründen und Lebensgewohnheiten. Zwar habe ich nicht sehr engen Kontakt zu anderen, aber im Alltag oder wenn ich Hilfe benötige, spüre ich stets die Freundlichkeit meiner Mitbewohner. Am Anfang hatten wir Probleme mit dem Internet im Wohnheim und baten unsere Nachbarn um Hilfe. Dank ihrer freundlichen Unterstützung konnten wir das Problem schnell lösen. In diesem internationalen Umfeld kann ich neue Kulturen kennenlernen, meinen Horizont erweitern und neue Erfahrungen sammeln.

Was könnte besser sein?

Probleme bei der Paketzustellung: Wo ist mein Paket?

Ein häufiges Problem im deutschen Wohnheim ist die Abholung von Paketen. In vielen Fällen gibt es keine zentrale Rezeption oder Paketstation, sodass Pakete oft an weit entfernte Abholstationen geschickt werden. Besonders für internationale Studierende, die häufig online bestellen, ist das unpraktisch und kann zu unnötigem Stress führen.

In deutschen Wohnheimen ist es normalerweise möglich, Pakete an die Tür liefern zu lassen, wenn man dies im Voraus mit dem Zusteller abspricht. Doch in der Praxis kann es trotzdem zu Problemen kommen. Ein Beispiel aus eigener Erfahrung zeigt, wie schwierig es sein kann, Pakete in einem deutschen Wohnheim zu bekommen. Als ich einmal etwas bei DHL bestellte, gab es immer wieder Verschiebungen des Liefertermins, was zunächst schon ärgerlich war. Am Ende stellte der Zusteller mein Paket einfach in einer Abholstation ab, die drei Kilometer entfernt war, ohne mich vorher zu informieren. Ich musste das Paket selbst abholen, was sehr unpraktisch war, da es groß und schwer war.

In China gibt es in den meisten Studierendenwohnheimen Paketstationen direkt unter dem Gebäude, die von Mitarbeitern verwaltet werden. Die Pakete werden in Regalen nach Abholcodes sortiert abgelegt und können schnell und einfach abgeholt werden. Diese Lösung sorgt für eine einfache und bequeme Paketabholung.

Ich denke, eine bessere Lösung für deutsche Wohnheime wäre, ein zentrales Paketlager oder ein einfacheres Abholsystem einzuführen, damit Studierende ihre Pakete stressfrei und schnell abholen können. Das würde uns definitiv viel Ärger ersparen.

Sauberkeit und Pflege der Gemeinschaftsräume: Wer macht hier sauber?

In vielen deutschen Wohnheimen teilen sich die Studierenden Küchen und Bäder. Das kann praktisch sein, aber es bringt auch einige Probleme mit sich. Oft halten sich nicht alle Mitbewohner an die Reinigungsregeln. Benutztes Geschirr bleibt in der Spüle stehen, Essensreste sammeln sich und Müll wird nicht rechtzeitig entsorgt. Besonders in der Küche entsteht schnell Chaos, wenn niemand Verantwortung übernimmt.

Gemeinschaftsräume bedeuten, dass jeder Bewohner Verantwortung für die Sauberkeit trägt. Die Küche ist dabei der schwierigste Ort. Jeder muss mindestens zwei Mahlzeiten pro Tag zubereiten, und da die Arbeitsflächen oft klein sind, entstehen schnell Fettflecken und Schmutz. Zudem sind Tische und Fensterbänke oft voll, was es schwer macht, sie sauber zu halten.

Das Hauptproblem ist, dass es anfangs keine klaren Regeln gab, um diese Probleme zu vermeiden. So fühlt sich niemand direkt verantwortlich. Im Gegensatz zu einem überfüllten Mülleimer, der irgendwann geleert werden muss, bleibt eine schmutzige Arbeitsfläche meist unbemerkt, und viele denken: „Das kann später jemand anderes machen.“ Dadurch entsteht mit der Zeit eine dauerhafte Unordnung. Ich finde, es wäre viel einfacher, wenn die Mitbewohner gleich am Anfang eine klare Regelung für die Sauberkeit treffen würden. Zum Beispiel könnte man sich auf einen Putzplan einigen oder bestimmte Bereiche festlegen, die regelmäßig gemeinsam gereinigt werden müssen. So weiß jeder, was zu tun ist, und es entstehen weniger Konflikte im Alltag.

Infrastruktur funktioniert nicht gut

Ein großes Problem sind die veralteten Einrichtungen. Die Infrastruktur des Wohnheims hat bereits viele Jahre hinter sich und weist einige Mängel auf. Im Winter funktionierte mein Boiler nicht mehr, sodass ich an kalten Tagen frierend in meinem Zimmer saß und mir mit einer Wärmflasche behelfen musste. Erst als der Techniker den Boiler reparierte, konnte ich darauf verzichten. Auch die Beleuchtung in meinem Zimmer ist mangelhaft – ob das Licht an- oder ausgeschaltet ist, macht kaum einen Unterschied, sodass ich mir eine Schreibtischlampe kaufen musste, um besser arbeiten zu können. Der Kühlschrank in der Küche schließt nicht richtig, sodass wir ihn mit einem Stuhl fixieren müssen. Aufgrund der undichten Tür funktioniert die Kühlung nicht richtig, und es dauert eine ganze Nacht, um überschüssiges Eis zu entfernen. Am meisten stört mich jedoch das Bett – es ist nicht nur klein, sondern auch viel zu weich. Jeden Morgen wache ich mit Rückenschmerzen auf. Diese kleinen Unannehmlichkeiten beeinträchtigen zwar nicht mein tägliches Leben, bringen aber dennoch einige Herausforderungen mit sich.

Außerdem ist der Platz im Wohnheim begrenzt. Nach dem Aufstellen der Grundmöbel bleibt kaum noch Bewegungsfreiraum. Freunde einzuladen oder gemeinsame Freizeitaktivitäten zu planen, ist eine Herausforderung. Beim letzten Treffen mit Freunden mussten wir sogar zusätzliche Stühle aus der Mensa holen.

Lästiger Lärm weckt mich immer spät in der Nacht auf!

Ein weiteres Problem ist der Lärm. Die Pizzeria unten duftet zwar herrlich, doch nachts kann es dort sehr laut werden. Die Wände des Wohnheims sind so dünn, dass sie kaum Geräusche abhalten. Ich kann die Schritte meiner Nachbarn hören, Gespräche, Gesang und sogar das Hupen der Autos auf der Straße – manchmal werde ich mitten in der Nacht durch die Geräusche geweckt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass all das keine unüberwindbaren Probleme sind. Trotz der kleinen Unannehmlichkeiten sind wir dankbar für diesen Ort, der uns in der Fremde ein Zuhause bietet. Hier lernen wir nicht nur, selbstständig zu leben, sondern auch, Herausforderungen zu bewältigen und das Glück in den kleinen Dingen des Alltags zu finden.

Wenn wir mit unserer Familie oder unseren Freunden in China telefonieren, fragen sie immer zuerst: „Zeigt uns mal euer Zimmer!“ Das Wohnheim ist für uns Studierende ein essenzieller Ort. Ein eigenes Bett bedeutet einen Rückzugsort, einen sicheren Hafen zum Ausruhen. Nach einem langen Tag an der Uni, in einer fremden Umgebung voller neuer Herausforderungen, kehren wir ins Wohnheim zurück, um unsere Gedanken zu ordnen.

Fazit

Das Wohnheim ist wie ein Meilenstein in unserem Leben. Unser Weg führt uns von einem Ort zum nächsten, aber unser Wohnheim bewahrt unsere Erinnerungen und Glücksmomente. Wir werden die Zeit mit unseren Mitbewohnern in Erinnerung behalten – unsere Gespräche, gemeinsames Kochen, gemeinsames Aufräumen und das gemeinsame Lösen von Problemen. Wir werden uns an die vielen Nächte erinnern, in denen wir durch unser Fenster den Mond betrachtet haben, und an die Eichhörnchen, die auf den Bäumen im Hinterhof herumspringen. Wir sind uns sicher, dass diese Zeit in Deutschland eine einzigartige und unvergessliche Erfahrung in unserem Leben sein wird.

Und wie sieht es bei euch im Wohnheim aus? Habt ihr auch so viele lustige Geschichten zu erzählen wie wir?