Einkaufen in Deutschland und in China – Unterschiede

Von Rongjin Sun, Yueran Zhang & H. L.

Einkaufen ist ein fester Bestandteil unseres Alltags. In Deutschland und China gibt es zwar einige Gemeinsamkeiten, aber die Unterschiede fallen oft noch mehr auf. Ob im Supermarkt, im Einkaufszentrum oder online – die Art und Weise, wie Menschen einkaufen, ist in beiden Ländern ganz unterschiedlich. Wie kaufen die Menschen in China typischerweise ein? Wie erleben wir die Unterschiede beim Einkaufen in China und Deutschland? In diesem Blog vergleichen wir die wichtigsten Unterschiede und erzählen, was uns dabei besonders aufgefallen ist.

Zahlungsmethoden: Bargeld oder Smartphone?

In Deutschland wird immer noch viel mit Bargeld bezahlt. Viele ältere Menschen vertrauen lieber auf Münzen und Scheine. Auch in kleineren Geschäften, Bäckereien oder Restaurants wird oft nur Bargeld akzeptiert. Kreditkarten sind zwar verbreitet, aber nicht überall nutzbar. Kontaktloses Bezahlen mit EC-Karten oder per Smartphone (z. B. Apple Pay oder Google Pay) wird beliebter, ist aber noch nicht so weit verbreitet, wie in China.

Zum Beispiel wollte ich während des Karnevals mit meinen Kommilitonen an einem kleinen Stand eine Bratwurst kaufen. Als wir an der Reihe waren, fragte ich, ob Kartenzahlung möglich sei, aber der Verkäufer sagte, dass er nur Bargeld akzeptiere. Also mussten wir hektisch unser Bargeld zusammensuchen. Glücklicherweise hatten wir genug dabei und konnten schnell bezahlen, ohne die anderen Kunden lange warten zu lassen. Auf dem Weihnachtsmarkt hingegen unterstützen die meisten Stände Kartenzahlung, vermutlich weil die Nachfrage dort besonders hoch ist. Auch in vielen chinesischen Restaurants, in denen wir gegessen haben, wurde oft nur Bargeld akzeptiert, oder Kartenzahlung war erst ab einem bestimmten Betrag möglich.

Dadurch wurde mir klar, dass es in Deutschland nicht sinnvoll ist, komplett ohne Bargeld unterwegs zu sein.

Trotzdem benutze ich ungern Bargeld, weil das ständige Herausnehmen des Portemonnaies, das Bezahlen und das Verstauen des Wechselgelds ziemlich umständlich ist. Besonders Münzen finde ich unpraktisch, da sie schwer sind, viel Platz wegnehmen und sich nicht so leicht ausgeben lassen. Ein weiteres Problem ist, dass Banken nicht immer kleine Scheine ausgeben. Einmal habe ich 100 Euro abgehoben und der Geldautomat hat mir zwei 50-Euro-Scheine gegeben, die schwer auszugeben waren.

In China hingegen spielt Bargeld kaum noch eine Rolle. Fast alles wird über mobile Bezahldienste wie WeChat Pay oder Alipay abgewickelt. Egal, ob man im Supermarkt, im Restaurant, beim Straßenhändler oder im Taxi bezahlt – ein QR-Code reicht aus. Diese digitale Bezahlweise spart Zeit und macht das Einkaufen einfacher. Mobile Zahlung ist überall verbreitet und wird von Jung und Alt wie selbstverständlich genutzt, oft sogar als einzige Bezahlmethode. Ich glaube, viele junge Chinesen sind es ebenso wie ich gewohnt, im Alltag kaum noch Bargeld zu sehen. Heute sehe ich Papiergeld nur noch am chinesischen Neujahr, wenn mir meine Verwandten einen Hundert-Yuan-Schein in einem roten Geldumschlag – das sogenannte Hong Bao schenken.

Online-Handel: Wer dominiert den Markt?

Die Rolle des E-Commerce beim Einkaufen in Deutschland unterscheidet sich etwas von der in China. Der E-Commerce hat sich in beiden Ländern stark entwickelt, aber in China ist die Digitalisierung des Einzelhandels viel weiter fortgeschritten.

In Deutschland gibt es bekannte Online-Plattformen wie Amazon, eBay und Zalando. Ich kaufe auch manchmal Kleidung auf der Plattform Shein, weil die Preise wirklich günstig sind und man viele Rabatte kombinieren kann. Obwohl viele Menschen online bestellen, spielen traditionelle Geschäfte immer noch eine wichtige Rolle. Viele Deutsche bevorzugen den Einkauf in physischen Geschäften, weil sie die Produkte zuerst sehen und anfassen wollen. So können sie sich ein besseres Bild von der Qualität des Produkts machen und fühlen sich beim Kauf wohler. Aber ich denke, ein weiterer Grund, warum viele Deutsche lieber in Geschäften einkaufen, ist, dass die E-Commerce-Plattformen und die Branchen in Deutschland noch nicht so weit fortgeschritten sind.

In China hingegen ist der Online-Handel viel dominanter. Plattformen wie Taobao, Jingdong Mall und Jinduoduo bieten eine riesige Auswahl an Produkten, bei denen man oft durch Preisvergleiche das günstigste Angebot findet. Die gleichen Waren sind im Internet häufig günstiger als im Laden. Ein weiterer Vorteil des Online-Shoppings ist die schnelle Lieferung. Bei Jingdong kommt die Ware meist schon am selben oder nächsten Tag an. Auch bei anderen Plattformen dauert es in der Regel nur wenige Tage. Die Produktpalette ist vielfältig, von Möbeln über Kleidung, Kosmetik, Medikamente bis hin zu frischen Lebensmitteln – alles kann online gekauft werden.

In den letzten Jahren ist auch Live-Streaming zu einem Trend geworden. Händler zeigen ihre Produkte in Live-Übertragungen und bieten oft Rabatte an. Zuschauer können die Produkte direkt während der Sendung kaufen. Diese Verkaufsweise ist im Vergleich zu anderen Methoden direkter und effizienter, und die wiederholte Werbung der Händler kann die Aufmerksamkeit der Verbraucher maximal anziehen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Online-Shopping das Leben der Menschen erheblich erleichtert. Der Einkauf im Einzelhandel hat natürlich auch seine Vorteile – wenn man das richtige Produkt direkt findet, ist das am besten. Aber manchmal besucht man viele Läden, ohne das Passende zu finden, oder man weiß nicht einmal, wo man das gewünschte Produkt kaufen kann. In solchen Fällen spart das Online-Shopping erheblich Zeit und Geld.

Supermärkte in China und Deutschland: verschiedene Auswahlmöglichkeiten

Supermärkte und Convenience-Shops sind untrennbar mit dem Alltagsleben verbunden. Man geht fast jeden Tag in den Supermarkt, um Lebensmittel und Haushaltswaren einzukaufen. Supermärkte und Convenience- Shops gibt es überall in China und Deutschland. In einigen belebten Gegenden gibt es sogar alle 50 Meter einen Supermarkt. Supermärkte und Convenience-Shops in China und Deutschland verkaufen fast die gleichen Artikel. Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Fleisch, Haushaltswaren wie Toilettenpapier, Handtücher, Waschbecken usw.

Allerdings unterscheiden sich die Arten von Supermärkten in Deutschland von denen in China. Supermärkte in Deutschland werden hauptsächlich in Discounter und reguläre Supermärkte unterteilt. Discounter wie Aldi und Lidl haben niedrigere Preise, aber weniger Auswahl. Reguläre Supermärkte wie Rewe und Edeka haben viele Waren, jedoch hohe Preise. In Deutschland gehe ich oft zum Aldi neben meinem Wohnheim und zum Rewe im Uni Center. Eine Schachtel halbfertige Chicken Nuggets kostet in der Regel bei Aldi 2 Euro und bei REWE 3 Euro. Aber einer meiner liebsten Erdbeer-Eistees kann nur bei REWE gekauft werden.

Supermärkte in China sind hauptsächlich in reguläre Supermärkte und Mitgliedsläden unterteilt. Reguläre Supermärkte sind ähnlich wie Discounter in Deutschland. Berühmte reguläre Supermärkte in China sind der Yonghui Supermarkt und der Carrefour Supermarkt. Sie sind dafür bekannt, erschwinglich und bequem zu sein. Der Mitgliederladen ist nur für seine Mitglieder zugänglich. Die Mitglieder müssen jedes Jahr einen bestimmten Betrag zahlen, und der Betrag, der je nach Mitgliedschaftsstufe gezahlt wird, liegt in der Regel zwischen 100 Yuan( etwa 15 Euro) und 700 Yuan( etwa 93 Euro). Nur wenn Sie Mitglied werden, können Sie den Supermarkt betreten. Familien und Freunde von Mitgliedern dürfen ebenfalls eintreten, solange sie mit dem Mitglied ankommen. Daher muss nur ein Mensch der Familien Mitglied sein. Mitgliederläden gibt es normalerweise in wirtschaftlich entwickelten Städten wie Peking, Shanghai und Guangzhou. Einige berühmte Mitgliederläden sind Sam’s Club, Fudi und Hema. Die meisten von ihnen kommen aus dem Ausland. Nach ihrer Einführung in China passten sie sich jedoch an die Ernährung und Lebensgewohnheiten der Chinesen an. Jetzt sind sie bei der Mittelschicht sehr beliebt. Neben allgemeinen Waren bieten sie noch Waren aus eigener Produktion an, die es in anderen Supermärkten nicht gibt. Meistens werden ihre Waren in großen Packungen verpackt. Ein Beispiel dafür ist, dass eine Packung Kartoffelchips in einem normalen Supermarkt in der Regel nur 100 Gramm bis 200 Gramm wiegt, während die Mitgliederläden oft eine Packung mit 400 Gramm bis 500 Gramm Kartoffelchips anbieten. Obwohl die Waren im Mitgliederladen ein bisschen teuer sind, freue ich mich jedes Mal, wenn ich dorthin gehe. Als ich in Peking war, ging ich am Wochenende gerne in Sam’s Club. Die hohen Regale und die vielen köstlichen Lebensmittel, die sich darauf befanden, waren faszinierend. Als ich den süßen Kuchen und das frische Brathähnchen in den Einkaufswagen legte, fühlte ich mich wie der glücklichste Mensch der Welt.

In den letzten Jahren sind Convenience-Shops in China populär geworden. Convenience- Shops befinden sich oft in Wohnvierteln oder in der Nähe von Schulen und Universität. Früher wurden Convenience-Shops nur als Ergänzung zu Supermärkten genutzt. Heutzutage spielen aber viele Convenience-Shops wie Lawson und 7- Eleven neben dem Einkauf auch die Rolle des Restaurants, weil sie Fast-Food und Lebensmittelerhitzungsdienste anbieten und dort gibt es Esstische und Stühle. Viele Food- Blogger gehen auch gerne in diese Convenience-Shops , um Lebensmittel zu kaufen und dort zu essen. In Deutschland wird ein Convenience-Shop normalerweise als Kiosk bezeichnet. Es handelt sich in der Regel um einen kleinen Supermarkt, in dem man nicht essen kann. Man geht in Kioske, wenn der Supermarkt weit entfernt ist oder nachts geschlossen hat.

Rabattkultur: Wer liebt Sonderangebote mehr?

In Deutschland und China unterscheidet sich die Preis- und Rabattkultur deutlich. Mir fällt auf, dass die Rabatte hier oft nicht so hoch sind. In Deutschland sind die Preise meist stabil, und selbst bei großen Rabattaktionen wie dem „Black Friday“ oder den saisonalen Schlussverkäufen sind die Rabatte oft moderat, meist zwischen 20 und 30 %. Aktionen wie „Kaufe eins, bekomme eins gratis“ oder „Rabatt auf den Gesamtbetrag“ kommen vor, sind aber nicht so weit verbreitet.

In China hingegen sind Rabatte ein fester Bestandteil des Einkaufsalltags. Große Shopping-Events wie der „Singles‘ Day“(11.11.) oder „618“ bieten massive Rabatte, oft bis zu 50 % oder mehr. Viele Menschen warten gezielt auf diese Aktionen, um größere Einkäufe zu machen. Neben direkten Preisnachlässen gibt es zahlreiche Rabattmethoden wie „Vollständige Reduzierungen“ , Gutscheine oder Gruppenkäufe, bei denen mehrere Käufer zusammen einen besseren Preis erhalten. In China sind Rabatte ein fester Teil des Einkaufens und viel intensiver als in Deutschland. Aber ehrlich gesagt, ich habe an diesen Shopping-Events fast nie teilgenommen. Einerseits fällt mir nie ein, was ich eigentlich kaufen soll, und andererseits finde ich es einfach zu anstrengend und kompliziert, herauszufinden, wie man den größtmöglichen Rabatt bekommt – das bringt mir Kopfschmerzen!

Zusammenfassend kann man sagen, dass Rabatte in China häufiger und größer sind, während sie in Deutschland eher seltener auftreten und sich auf feste Zeiten konzentrieren.

Einkaufserlebnis: Verkaufsförderung oder Selbstbedienung

In China und Deutschland ist das Einkaufserlebnis unterschiedlich. Das Einkaufen in China wird oft von einem Verkaufsgespräch begleitet. Verkäufer und Verkäuferin sind bereit, Waren zu verkaufen, weil sie denken, dass es ihr Job ist. Doch in Deutschland kauft man meistens selbstständig ein. Deswegen sind Kassierer viel beschäftigter als Verkäufer.

In China ist Verkaufsförderung in Einkaufszentren oder Supermärkten allgegenwärtig. In Supermärkten sind die Verkäufer meist für Bereiche zuständig, in denen Toilettenartikel und Haushaltsgeräte verkauft werden. Wenn ich zum Beispiel Shampoo kaufen möchte und zum entsprechenden Bereich im Supermarkt gehe, dauert es maximal eine Minute, bis ein Verkäufer auf mich zukommt und mich fragt, was für ein Shampoo ich möchte. Nachdem der Verkäufer gelernt hat, was ich brauche, empfiehlt er mir einige Shampoos. Verkaufsförderung ist in Bekleidungsgeschäften am weitesten verbreitet. Solange nicht viele Kunden im Laden sind, hat man fast immer einen Verkäufer an seine Seite, wenn man Kleidung aussuchen. Der Verkäufer empfiehlt Kleidung basierend auf seiner Vorliebe und seinem Aussehen.

Es gibt Vor- und Nachteile bei der Verkaufsförderung. Der Vorteil ist, dass Verkaufsförderung den Einkauf effizienter macht. Darüber hinaus kann ein Verkäufer mit ausgeprägten sozialen Fähigkeiten mehr Kunden in den Laden locken. In den letzten Jahren sind die Nachteile der Verkaufsförderung jedoch immer offensichtlicher geworden. Manchmal entspricht die Empfehlung des Verkäufers nicht den Bedürfnissen des Kunden. Einige Händler bitten den Verkäufer sogar, Ladenhüter zu empfehlen, um mehr Gewinn zu erzielen. Außerdem ist es für einige introvertierte Menschen unangenehm, mit dem Verkäufer zu kommunizieren. Jetzt ist Verkaufsförderung in China nicht mehr so verbreitet wie früher. Junge Leute gehen lieber in Selbstbedienungsgeschäfte. Unter dem Einfluss dieses Trends sind heutzutage viele Selbstbedienungsgeschäfte aus dem Ausland, wie z.B. Zara, MUJI, Miniso usw., in China sehr beliebt.

Als ich nach Deutschland gekommen bin, stelle ich fest, dass man in den meisten Supermärkten und Geschäften selbst einkaufen kann. Bei Aldi oder Rewe sind die Verkäufer in der Regel nur für das Platzieren von Waren und die Kassierer zuständig und bedienen die Kunden nur, wenn die Kunden sie nach etwas fragen. Auch in Bekleidungsgeschäften sind die Mitarbeiter normal nur dafür zuständig, Kleidungsstücke auszusortieren, die die Kunden nach der Anprobe nicht kaufen möchten und sie wieder an ihren Platz zu bringen. In vielen Geschäften in Deutschland, wie z.B. bei dm und Rewe, kann man ohne Kassierer oder Kassiererin selbst bezahlen. In Zeiten mit hohem Kundenaufkommen wird so das Problem der Überfüllung an der Kasse gemildert.

Letzten Monat war ich mit meinen Freunden bei Peek & Cloppenburg in Essen – eine Erfahrung, die mir den Unterschied zwischen dem Einkaufen in Deutschland und China noch bewusster gemacht hat. Peek & Cloppenburg führt viele bekannte Marken, allerdings gibt es keine separaten Verkaufsflächen für die einzelnen Marken. In China hingegen haben große Modemarken meist eigene Geschäfte, und ihre Kleidung wird nicht gemeinsam mit anderen Marken verkauft.

Ein weiterer Unterschied fiel mir beim Stöbern durch die Kleiderständer auf: In deutschen Geschäften sind Kleidungsstücke in allen verfügbaren Größen ausgestellt. So können die Kunden direkt ihren Lieblingsstil in der passenden Größe auswählen. In China hingegen wird oft nur eine oder zwei Mustergrößen präsentiert. Gefällt einem Kunden ein bestimmtes Kleidungsstück, bringt der Verkäufer die gewünschte Größe aus dem Lager.

Fazit

In den sechs Monaten, die ich in Deutschland lebe, war ich in vielen Supermärkten und Einkaufszentren unterwegs. Dabei ist mir aufgefallen, dass sich die Einkaufskultur in China stark auf das Preis-Leistungs-Verhältnis und das Einkaufserlebnis konzentriert, während die Deutschen eher auf Praktikabilität und Produktqualität achten. Beide Kulturen haben ihre eigenen Vorzüge – und ihre eigenen kleinen Überraschungen. Die Kuchen und Chicken Nuggets im Rewe haben mich zum Beispiel jedes Mal begeistert! Und ich liebe es, Selbstbedienungskäufe zu tätigen – so einfach und unkompliziert.

Mit der wirtschaftlichen Globalisierung und dem kulturellen Austausch entdecken wir immer mehr Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Ländern. Diese Entwicklung bringt nicht nur neue Möglichkeiten für Verbraucher, sondern auch neue Impulse für die Wirtschaft. Liebe Leserinnen und Leser, habt ihr auch schon spannende Einkaufserlebnisse in Deutschland gemacht? Oder interessiert ihr euch für WeChat Pay und Online-Handel in China? Lasst uns unsere Geschichten teilen – wir freuen uns auf den Austausch mit euch!