Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei organisierten Aktivitäten an der Uni zwischen China und Deutschland

Von Wu Jiahui & Li Jingxuan

Wenn du einen chinesischen Universitätsstudenten fragst, was sein erster Social-Media-Post nach dem Uni-Eintritt war, wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit die Antwort bekommen: ein Foto mit dem Tor, auf dem das Universitätslogo zu sehen ist, sogenannt „打卡“ auf Chinesisch, was bedeutet, dass man persönlich einen neuen Ort auf der Erde markiert hat. In Deutschland gibt es zwar auch viele Universitäten mit markanten Gebäuden, doch der größte Unterschied ist, dass deutsche Universitäten keine Mauern und keine Eingangstore haben.

Dieser Blogbeitrag beschäftigt sich mit den kulturellen Unterschieden zwischen Universitäten, jedoch nicht mit dem Ziel, diese Unterschiede zu bewerten oder zu beurteilen. Vielmehr entstehen diese Unterschiede aufgrund der unterschiedlichen gesellschaftlichen und historischen Hintergründe der beiden Länder. Ein Beispiel dafür ist die Zugangskontrolle an chinesischen Universitäten. Die Mehrheit derjenigen, die sich für die Beibehaltung solcher Zugangsbeschränkungen aussprechen, vertritt die Ansicht, dass eine Universität in erster Linie ein Ort für akademische Forschung sei und erst in zweiter Linie ein öffentlicher Raum. Ein gewisses Maß an Regeln und Einschränkungen sei notwendig. Diese Diskussion dieser Frage hat niemals eine eindeutige Antwort.

Dann fangen wir an:

Erstens: Die Einführungsveranstaltungen für die neuen Studierenden.

An deutschen Universitäten

An der deutschen Uni gibt es viele Einführungsveranstaltungen für neue Studierende. Ich persönlich habe an zwei Einführungen teilgenommen: Eine speziell für internationale Studierende und die andere für die Studierenden des Fachs Germanistik.

Dabei konnte ich interessante Unterschiede feststellen. Die erste Einführung für internationale Studierende war eher wie ein großes Spiel gestaltet. Wir wurden in zufällige Gruppen eingeteilt und mussten gemeinsam verschiedene Aufgaben und Fragen rund um die Uni lösen. Um die Antworten auf die Fragen und Quizze zu finden, erkundeten wir den gesamten Campus. Wir machten Halt vor dem Gemälde von Picasso an der Fassade der Bibliothek, kletterten auf die Plattform der Mensa und schrien laut in die Höhe. Trotz des Regens spazierten wir sogar durch einen langen Pfad bis zum chinesischen Garten. Der spannendste Moment war dabei nicht unbedingt, die Lösung zu finden, sondern der Weg dorthin – gemeinsam zu lachen, zu diskutieren und die Uni zu entdecken, war das Highlight.

Die zweite Einführung wurde vom Fach Germanistik organisiert und war im Vergleich viel strukturierter. Sie bestand aus einer Vorlesung sowie einer Campustour, die sich vor allem auf die Gebäude der Germanistik konzentrierte. Besonders beeindruckt hat mich die spannende Vorstellung der einzelnen Professoren. Während der Einführung habe ich auch zwei nette Mitstudierende und einen sehr hilfsbereiten Tutor kennengelernt, die bei uns mit viel Engagement und Herzlichkeit „das Eis gebrochen haben“ und die anfängliche Unsicherheit genommen haben.

Eine kleine Betrübtheit bleibt allerdings: Aus Schüchternheit und Unsicherheit über unsere Deutschkenntnisse haben wir es leider nicht geschafft, den Mut aufzubringen, mehr deutsche Studierende anzusprechen und kennenzulernen.

Besonders interessant war, dass es für internationale Studierende sogar Abendveranstaltungen gab. Es wurden zwei verschiedene Abendessen organisiert: eines vom DaF-Bereich und eines vom Bochumer Rathaus. Das erste war eher eine Party – mit Karaoke und sogar einem Kahoot-Quiz. Das zweite Abendessen war ein offizieller Empfang vom Oberbürgermeister für internationale Studierende. Dabei hatten wir die Gelegenheit, den Bürgermeister sowie die RUB-Präsidentin persönlich kennenzulernen. Der Bürgermeister war unglaublich freundlich, machte mit jedem von uns ein Foto und beantwortete geduldig unsere Fragen. Im Anschluss besuchten wir gemeinsam den Weihnachtsmarkt – ein wunderschöner Abschluss des Abends.

An chinesischen Universitäten

In China machen neue Studierende normalerweise ein paar vorbereitende Arbeiten selbst, bevor sie an die Universität gehen, um sich nach dem Beginn der Universität besser und schneller an das Universitätsleben anpassen zu können. Deshalb brauchen wir keine Einführungsveranstaltungen.

Beispielweise suchen wir früher in „Weibo“ (Eine bekannte Sozial-Media-Software in China) unsere Kommilitonen und bilden eine Chatgruppe, so dass wir uns kontaktieren und kommunizieren können.

Ähnlich wie deutsche Universitäten gibt es eine Online-Sitzung, bei der unsere Studiengangsleiter oder Studiengangsleiterinnen Erstsemester begrüßen und uns unseren Studiengang vorstellen.

Es ist auch notwendig für neue Studierende in China, sich in der App der Uni anzumelden. Wir geben in der App persönliche Informationen und ein Foto für unsere Studentenausweise ab. Zudem müssen wir unsere Studiengebühr und Unterkunftskosten bezahlen. Abschließend können wir unser Zimmer des Studentenwohnheims und Betten auswählen, weil in China vier oder sechs Personen normalerweise zusammenleben.

Wenn neue Studierende an ihrer Uni eingeschrieben werden, veranstaltet die Uni eine Eröffnungsfeier. In der Regel ist die Eröffnungsfeier spektakulär, weil chinesische Universitäten viele, viele Studierenden haben. Wir versammeln uns auf dem Sportplatz, um den Reden zu lauschen, einige Aufführungen zu sehen und Glückwünsche von ehemaligen Studenten zu erhalten.

Natürlich organisieren neue Studierende auch eigene Aktivitäten, um das Eis zu brechen. Ein Beispiel dafür sind Klassenessen. Wir haben zum Beispiel auf dem Sportplatz gemeinsam Pizza gegessen und Spiele gespielt, wodurch wir uns leicht und gut kennengelernt haben. Ein weiteres tolles Erlebnis war, als meine Mitbewohnerinnen und ich gemeinsam essen gegangen sind. Der Hot Pot war äußerst lecker, und wir hatten alle viel Spaß – es war wirklich ein unvergessliches Erlebnis. Solche gemeinsamen Unternehmungen stärken nicht nur die Freundschaften, sondern fördern auch ein Gefühl der Zugehörigkeit zum Campusleben.

In China und Deutschland sind die Begrüßungsveranstaltungen für neue Studierende unterschiedlich. Der Hauptunterschied besteht darin, dass chinesische Universitäten eine feierliche, universitätsweite Eröffnungszeremonie veranstalten, während deutsche Universitäten mehr von verschiedenen Studierendengruppen oder Organisationen organisierte Partys haben. Aber beide helfen den Studierenden, sich an das Leben auf dem Campus zu gewöhnen.

Zweitens: Die Campus-Standkultur

An deutschen Universitäten

Apropos Weihnachtsmarkt: Es gab einen kleinen Weihnachtsmarkt an der RUB. Studierende organisierten kleine Stände und verkauften verschiedene Getränke und Weine. Es war für mich ein unvergessliches Erlebnis, da es gleichzeitig mein erster Ausflug mit meinen neuen Freundinnen aus dem Französischkurs war. Wenn es um das Aufstellen von Ständen geht, bin ich am meisten begeistert von den kostenlosen Snack-Ständen, die unregelmäßig an der Universität auftauchen. Manchmal, wenn ich schläfrig auf dem Weg zum Unterricht bin und sehe, dass sich eine lange Schlange bildet, weiß ich, dass es wieder eine Verlosung mit kleinen Preisen gibt. Glücklicherweise habe ich beim ersten Mal an der Verlosung teilgenommen und einen Kaffeebecher gewonnen.

An chinesischen Universitäten

Wie in Deutschland organisieren auch chinesische Universitäten häufig Stände. Meiner Beobachtung nach haben sogar chinesische Universitäten mehr Standaktivitäten. Stände sind an unserer Universität sehr beliebt, und deshalb führt die Universität sie häufig in verschiedenen Formen durch.

Was mich am meisten beeindruckt hat, waren die Stände auf dem Internationalen Kulturfestival. Einen Monat lang bauten Studenten verschiedener Sprachfächer Stände in der Universität auf und boten berühmte Snacks oder Waren aus verschiedenen Ländern an. Die ungarischen Studenten tanzten zum Beispiel auch zu traditioneller Musik in der Nähe der Stände. Wir am deutschen Stand hatten Haribo und Knoppers Schnitten, die klassischen deutschen Snacks. Natürlich hatten wir auch ein paar Schlüsselanhänger mit der deutschen Flagge dabei. Während der Veranstaltung konnten die Teilnehmer diese kleinen Geschenke erhalten, wenn sie die Spielaufgaben erfüllten. Das Spiel an diesem Tag bestand darin, dass die Teilnehmer die Namen von mindestens 3-4 berühmten Büchern mit Bezug zu deutschsprachigen Ländern in ein Notizbuch schreiben oder ein deutsches Lied auswählen und zehn Sekunden lang mitsingen sollten. Viele Menschen nutzten die Möglichkeit, sich über Deutschland zu informieren, was uns sehr freute!

Unsere Universität unterstützt zudem den Verkauf eigener Lebensmittel bei einigen Standveranstaltungen, was den Schülern ermöglicht, traditionelle Gerichte anzubieten und ihre kulinarischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Bei der „Bai Yang Chuang Hui“-Veranstaltung hatte ich die Gelegenheit, viele im Internet sehr beliebte Snacks auszuprobieren. Es war äußerst spannend, durch die verschiedenen Stände zu schlendern und die Vielfalt an Geschmäckern und Texturen zu entdecken. Solche Veranstaltungen schaffen nicht nur eine lebendige Atmosphäre auf dem Campus, sondern fördern auch den Austausch unter den Studierenden und stärken das Gefühl der Gemeinschaft.

Neben den Veranstaltungen unserer Uni organisieren viele Vereine ebenfalls Stände, die oft als Plattform dienen, um die Ergebnisse ihrer sozialen Gruppenaktivitäten zu präsentieren. Diese Stände bieten den Studierenden die Möglichkeit, ihre Projekte und Initiativen einem breiteren Publikum vorzustellen und gleichzeitig das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

Ich bin Mitglied eines Freiwilligenvereins an meiner Uni, und jedes Jahr im Herbst, etwa im November, veranstalten wir einen Basar. An unserem Stand verkaufen wir handgefertigte Schlüsselanhänger und Postkarten, die wunderschöne Motive unserer Universitätslandschaft zeigen. Die Einnahmen aus dem Verkauf kommen wohltätigen Organisationen zugute, die sich für bedürftige Menschen einsetzen. Es ist erfüllend zu wissen, dass unser Engagement nicht nur kreative Ausdrucksformen fördert, sondern auch einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leistet.

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Campus-Standkultur in China und Deutschland Studierende belebt und ihre Motivation, sich am Campusleben zu beteiligen, stark erhöht hat.

Drittens: Die Atmosphäre im Unterricht.

An deutschen Universitäten

Das deutsche Seminar, das interaktiver als die Vorlesung in einem Hörsaal ist, ist sehr interessant! Deutsche Dozenten bevorzugen interaktiven Unterricht. Obwohl viele Dozenten Vorträge in der Regel als positiv empfinden, versuchen sie, interaktiv zu sein und die Studenten zu ermutigen, Fragen zu stellen und Diskussionen zu führen. Im Landeskunde-Seminar hat Herr Prof. Dr. Händel uns angeleitet, Fragen zu beantworten und uns so besser am Unterricht zu beteiligen. Insbesondere hat er für uns ein Treffen mit dem Besitzer von „Brunos Imbiss“ organisiert. Bruno erzählt uns von seinen Erfahrungen bei Opel, was geschah, als das Werk geschlossen wurde, und warum er jetzt einen Imbisswagen betreibt. Er gab uns einen Einblick in die aktuelle Situation von Menschen, die aus dem ehemaligen Opelwerk ausgeschieden sind. Darüber hinaus organisierte Herr Prof. Dr. Händel mit anderen Professoren eine Fahrt nach Muttental in Witten. Da wir im Seminar die Industriekultur des Ruhrgebiets kennengelernt hatten, wählte Herr Prof. Dr. Händel das Muttental, in dem sich die größte Zeche des Ruhrgebiets befindet.

In deutschen Vorlesungen kann die Atmosphäre sowohl formell als auch relativ entspannt sein. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Studierenden im Unterricht Notizen auf Laptops oder Tablets machen. Viele Dozenten ermutigen die Studierenden, kritisch zu denken und ihre Meinung zu äußern. Wir haben im letzten Semester an der Ringvorlesung für den Studiengang Germanistik teilgenommen und fanden die deutschen Studierenden sehr aktiv in ihrem Denken und ihren Antworten. Wenn der Professor eine Frage stellte, antworteten viele deutsche Studierende positiv. Chinesische Studenten stellen ihre Fragen eher nach dem Unterricht, aber auch deutsche Studenten stellen sie im Unterricht. Wenn sie eine Frage haben, heben sie die Hand, um zu signalisieren, dass der Professor etwas erklären muss.

An chinesischen Universitäten

Ich möchte noch einen kleinen Vergleich zwischen den Unterrichtsformen an chinesischen und deutschen Universitäten machen. In China setzen die Dozent:innen stark auf Digitalisierung. Neben Plattformen wie Moodle verwenden wir auch Apps oder sogenannte Mini-Programme in WeChat, die direkt in den Unterricht eingebunden werden. Zum Beispiel können die Studierenden bei Multiple-Choice-Fragen direkt über die App auf dem Handy antworten. In China gibt es zwar auch große Vorlesungen, jedoch selten mit über 100 Teilnehmenden. Häufiger sind Veranstaltungen mit 40 bis 80 Studierenden. Auch das Raumkonzept unterscheidet sich: Die Hörsäle in China sind oft weniger steil als in Deutschland. Die Tafel oder Leinwand ist eher flach und es gibt häufig mehrere Bildschirme im hinteren Bereich, damit alle gut sehen können.

Es ist wirklich wunderbar, dass sowohl deutsche als auch chinesische Universitäten danach streben, eine bessere Atmosphäre für immersives Lernen zu schaffen. Die Atmosphäre in einer deutschen Universitätsklasse ist lebhaft. Die Studierenden denken und drücken sich aus. Die technologischen Fortschritte im chinesischen Universitätsunterricht helfen den Studierenden, sich besser und bequemer zu beteiligen.

Schluss

Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Gemeinsamkeiten und Unterschiede es zwischen den organisierten Aktivitäten an Universitäten in Deutschland und China gibt. Sie sind tief in den jeweiligen kulturellen Gegebenheiten verwurzelt. Die Einführungsveranstaltungen zeigen, wie wichtig die Integration neuer Studierender ist. In Deutschland legen sie viel Wert auf interaktive Formate und Teamarbeit. In China beginnen die Vorbereitungen sogar schon vor dem offiziellen Studienbeginn.

Auch die Campus-Kultur spielt eine zentrale Rolle. Deutsche Universitäten sind für ihre Offenheit und Einladungskultur bekannt, die soziale Interaktionen fördert. Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte laden zur Teilnahme ein und fördern den Austausch. In China gibt es eine Vielzahl von Ständen und Aktivitäten, die kulturelle Vielfalt und Gemeinschaftsgefühl stärken.

Die Atmosphäre an deutschen Universitäten ist von einem regen Austausch geprägt, der das Lernen fördert. Chinesische Universitäten setzen zunehmend auf digitale Tools, um die Teilnahme der Studierenden zu erhöhen.

Es ist wirklich toll, dass beiden Ländern eine unterstützende Lernumgebung wichtig ist, die akademische und soziale Integration fördert. Diese Aspekte bieten wertvolle Einblicke in die jeweiligen Bildungssysteme und deren Weiterentwicklung, wobei beide Länder die Bedeutung einer gut organisierten, universitären Erfahrung erkennen.